Über alle Grenzen hinweg: Gelebte Inklusion in Kunst und Kultur

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Nach der Filmaufführung stehen v.l.n.r. Carina Richter, Jessica Back, Benjamin Damm, Kerstin Daufer, Jessica Schmitt, Michael Ries, Klaus Saitzek und Richard Kläsges den Zuschauern Rede und Antwort. Foto: Oskar C. Neubauer.

Westeifel Werke und EuWeCo nehmen an Kunst- und Kulturtagen teil

Kronenburg, 6. – 8. September 2019. Die Westeifel Werke und eine ihrer vier Tochterfirmen, die EuWeCo, haben an den 24. Kronenburger Kunst- und Kulturtagen im nordrhein-westfälischen Kronenburg teilgenommen. Im Rahmen des Festivals mit dem diesjährigen Motto „Inklusion“ hat der Kulturkreis Obere Kyll e. V. aus Jünkerath den inklusiven Kurzfilm der Westeifel Werke „Kopf in den Wolken“ gezeigt. Die EuWeCo stellte während der gesamten drei Kulturtage die neuesten Schmuck-, Mode- und Deko-Kollektionen ihres Werkstattladens in Weinsheim aus.

Kunst kennt keine Grenzen, Inklusion ebenso wenig.

Der idyllische Ort mit der Burg und dem See liegt im deutsch-belgischen Grenzgebiet der Eifel in Nordrhein-Westfalen direkt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Landesgrenzen spielen keine Rolle, wenn es um das zentrale Motto „Inklusion“ geht. Dies wird gerade an der Teilnahme der rheinland-pfälzischen Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) Westeifel Werke sowie EuWeCo deutlich.

Martin Schöddert, Vorstand Freies Forum Kronenburg e.V., legt den Fokus auf das zentrale Thema „Inklusion“: „Uns war es besonders wichtig, Inklusion in allen Bereichen unseres Kulturfestivals aufzuzeigen. So haben wir zum Beispiel auch das musikalische Bühnenprogramm mit dem Dortmunder Tanzorchester ‚Paschulke‘ gestaltet. Es besteht aus Profimusikern und Musikern mit Handicap. Und nachdem wir den EuWeCo-Werkstattladen als Partner gewonnen hatten, war klar, dass wir ebenso Kunsthandwerk von Menschen ohne Beeinträchtigung ausstellen werden.“ In den großen, lichtdurchfluteten Räumen des historischen Hauses für Lehrerfortbildung hängen Bilder von Menschen mit und ohne Handicap. Mit dabei z. B. Gemälde der Kunstwerkstatt „willsosein“ der Lebenshilfe Aachen. Neben dem Eingang findet man die Produktwelt des EuWeCo-Werkstattladens, einer WfbM für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Hier finden sich Ketten, Armbänder, Schmuckaccessoires für Sie und Ihn, Mode, Perlen und Leder sowie Stoffe und Dekorationsartikel. Skulpturen und Bildhauerarbeiten sowie Glaskunst und Gold- und Silberschmuck von Menschen ohne Behinderung bilden dazu die inklusive Variante – ein gemeinsames Neben- und Miteinander.

Dies sieht David Fürsatz, Leiter des EuWeCo-Werkstattladens, ebenso und betont: „Wir sind froh, Partner der Veranstaltung zu sein. Im Zentrum steht die Inklusion und dies ist allein dadurch erreicht, dass wir hier neben Kunstschaffenden ohne Handicap ausstellen und Produkte verkaufen. Die Schmuck-, Mode- und Geschenkartikel fertigen unsere Klienten mit psychischem Handicap in unserer Werkstatt in Weinsheim.“ Einen Stand weiter informiert das Zentrum für Integration und Bildung (ZIB) der EuWeCo über die Maßnahmen zur „Unterstützten Beschäftigung“ und zur „Begleiteten betrieblichen Ausbildung“ (BBA).

Schöddert spricht auch von Grenzüberschreitung. „Mit dem Kulturkreis Obere Kyll e.V. aus Jünkerath haben wir auch das Nachbarland bei den Kunst- und Kulturtagen dabei. Passend dazu sind uns die Westeifel Werke und EuWeCo hier in Kronenburg ein willkommener Partner“, kommentiert er seine Entscheidung, die beiden Werkstätten zur Teilnahme an der Veranstaltung einzuladen. Zudem sind sich alle Verantwortlichen einig, dass weder Kunst noch Inklusion Grenzen kenne.

Dies zeigt auch der Kurzfilm „Kopf in den Wolken“. Er ist als inklusives Projekt der Westeifel Werke mit Schülerinnen und Schülern des Thomas-Morus-Gymnasium Daun (TMG) unter Regie und nach dem Drehbuch des Theaterschauspielers Sebastian Gasper aus Waxweiler entstanden. Dank der Unterstützung des Gerolsteiner Brunnen konnte das Filmprojekt finanziert werden. Dazu hat der Gerolsteiner Getränkehersteller mit 40.000 Euro den Erlös eines Benefizkonzerts an die Westeifel Werke übergeben. Thema des Films ist die Flucht einer Teenagerin vor der Realität in eine Fantasiewelt mit Fabelwesen. So versucht sie, mit dem bevorstehenden Tod ihrer krebskranken Mutter umzugehen. Hilfe leisten ihr die Fabelwesen, da sie im wahren Leben gemobbt wird und keine Freunde hat, die ihr zur Seite stehen.

 

Gelungenes Debüt, gelungene Kooperation

Gasper hat mit diesem Projekt sein Debüt als Drehbuchautor und Regisseur gegeben – ein gelungenes, wie sich an der Resonanz der Film-Zuschauer zeigt. Leider konnten weder Gasper, der bei den Westeifel Werken die Theater-AG leitet, noch die professionellen Schauspieler des Films persönlich an der Vorführung teilnehmen. Vertretung hatten sie während der Fragerunde jedoch durch die Schauspieler der Westeifel Werke.

Auf die Frage, warum ausgerechnet das TMG in Daun Schauspieler gecastet hat, konnte an der Stelle ganz einfach geantwortet werden: „Bei uns hat die Dauner-Gruppe seit fast 40 Jahren Bestand. Hier fahren freitagmittags nach Schulschluss Schülerinnen und Schüler unserer Schule zu den Westeifel Werken in Gerolstein, um dort mit den zu betreuenden Mitarbeitern gemeinsam kreative Projekte zu gestalten, zu basteln, malen, spielen usw.“, so Kunstlehrer Robert Hötzel, der stellvertretend für die Schauspieler des Dauner Gymnasiums an der Veranstaltung teilnimmt. Ob es Eifersucht unter den zu betreuenden Mitarbeitern der Westeifel Werke oder unter den Schülern des TMG gegeben habe, will eine Zuschauerin wissen. Darauf antwortet Richard Kläsges, Leiter des Sozialen Diensts der Westeifel Werke Hermesdorf: „Unsere Mitarbeiter mit Handicap haben alle ihre Fähigkeiten und Interessen. Hier kommt alleine deshalb keine Eifersucht auf. Es kann nicht jeder alles machen. Wir haben die Mitarbeiter, die gerne und erfolgreich Sport treiben. Sie nehmen an den Special Olympics und anderen großen Sportereignissen teil. Genauso haben wir wiederum unsere Theaterschauspieler.“ Hötzel verweist in seiner Antwort auf das Casting, das allen Interessierten „die gleiche Chance und Ausgangslage geboten hat.“

Die Schlussworte dieses Highlights am letzten Tag der dreitägigen Kunst- und Kulturveranstaltung hat der Mitarbeiter mit Handicap und Hauptdarsteller des Films Benjamin Damm, der dem Publikum verspricht: „Ihr bekommt alle von mir Autogramme, wenn wir welche machen.“

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