Wenn aus Patienten Praktikanten werden

Patrick Kaufmann bei der Vorbereitung eines Behandlungsraums

Stadtkyll/Gerolstein, 14. Januar 2019. Gleichmäßig fließt die braune Masse in die vorbereitete rechteckige Form, fast wie Teig auf ein Backblech. Patrick Kaufmann schiebt die Form einige Mal hin und her, damit sich alles gleichmäßig verteilt. Physiotherapeut Manuel Baum zeigt ihm kurz, wie er die Fließgeschwindigkeit anpasst, dann ist die Fangopackung bereit für einen Patienten. Denn Patrick Kaufmann ist nicht etwa Bäcker, sondern Praktikant in der Praxis für Physiotherapie und Osteopathie von Manuel Baum in Stadtkyll. Das Besondere daran: Er arbeitet normalerweise bei den gemeinnützigen Westeifel Werken, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM).

Seit 2006 ist der 30-jährige Patrick Kaufmann in der Werkstatt. Dort montiert er mit seinen Kollegen mit Behinderung Teile für einen Automobilzulieferer aus der Region. Mittlerweile übernimmt er auch Kontrollarbeiten und teilweise den Warenausgang der fertig montierten Teile. „Aber mein Ziel war immer der allgemeine Arbeitsmarkt“, sagt Patrick Kaufmann.

Der Anstoß zum Praktikum kam von Praxisinhaber Manuel Baum, Osteopath, Heilpraktiker (PT) und Physiotherapeut, selbst. „Ich werde seit 20 Jahren hier behandelt und kenne die Praxis wie meine Westentasche“, so Patrick Kaufmann. Als Manuel Baum dann von einer Fortbildung mit der Idee zurückkam, seinen Patienten als Praktikanten einzustellen, war der sofort dabei.

Die Aufgaben, die Patrick Kaufmann als Praktikant erledigt, sind vielfältig. Neben der Vorbereitung von Behandlungsräumen oder Anwendungen wie der Fangopackung übernimmt er auch Schreibarbeiten am Computer und unterstützt die Schreibkraft der Praxis, damit am Empfang immer ein Ansprechpartner für die Patienten anwesend ist. Auch Botengänge zur Bank oder das Abkassieren von Behandlungen gehören mittlerweile zu seinem wachsenden Aufgabengebiet.

Regelmäßig wird Patrick Kaufmann bei der Arbeit von Nicole Lamberty besucht, Abteilungsleiterin für Berufsbildung und Integration bei den Westeifel Werken. Sie ist sowohl für Patrick Kaufmann als auch für Manuel Baum Ansprechpartnerin. „Patrick hat sich hier in der Praxis gut gemacht“, findet sie.

„Wir sind mit Patrick sehr zufrieden“, sagt auch Manuel Baum. „Sowohl von den Patienten als auch von den Kollegen habe ich sehr positive Rückmeldungen bekommen.“ Das bis Ende 2018 geplante Praktikum hat er schon um vier Monate verlängert.

Patrick Kaufmann freut sich über seinen Erfolg. Die Unterstützung durch Manuel Baum und die Westeifel Werke ist ihm sehr wichtig. „Die Werkstatt hat viel dafür getan, dass ich das Praktikum machen kann“, sagt er. „Wenn ich Fragen habe, kann ich immer zu meinem Chef kommen. Aber es ist gut, dass es noch jemand anderen gibt, der mir weiterhelfen kann.“

Dann wird es Zeit, die Behandlungsräume vorzubereiten. Die nächsten Patienten warten schon auf ihre Fangopackung.

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